Pierino

Einmal im Jahr besucht uns der Künstler Pierino für ungefähr zwei Wochen. Mit riesiger Freude und Spannung erwarten die Kinder Pierino: Er öffnet vorsichtig die Tür, ein zarter musikalischer Melodie-Zauber dringt aus dem Innenraum, die Zeit steht still. Pierino entführt die Kinder in eine andere Welt, wo sie im spielerisch scherzenden Üben mit Bällen und Tüchern den Alltag vergessen. Denn indem Pierino immer dasjenige beim Kinde sieht, was schon da ist, was schon gelingt, was entstehen und sich entwickeln möchte, sieht und erlebt sich das Kind nicht mehr als unfähig, sondern wahrgenommen in einem Prozess des Fortschreitens und Wachsens. Und wie Pierino nebenbei in zahlreichen Späßen, Anekdoten und Phantasien sich öffnet und den Reichtum seiner Seele verschenkt und seine ganze Innenwelt mit all ihren Gefühlen so wichtig und ernst nimmt wie nur irgendetwas, so ernst nimmt er dabei alle Regungen und Äußerungen der Kinder und bezieht sie in seinen Ablauf ein - ja sie füttern und nähren fortlaufend seine Inspiration.

Bei Pierino erscheint die Innenwelt der seelischen Regungen und Phantasien so real und wichtig, dass die sonst so dominante äußerliche Welt verblassen muss. Die Kinder dürfen aufleben, ihr Selbstwertgefühl, ihr Selbstvertrauen nimmt zu, und auf einmal wachsen sie übers sich hinaus und vollbringen nie für möglich Gehaltenes. O wie sind sie glücklich! Pierino hat sie heraufgehoben durch den Zauber der Welt des schönen Scheins, im Spiel zwischen ganz schnell und ganz langsam, ganz leicht und ganz schwer, ganz fröhlich und ganz traurig, zwischen lauten und leisen Tönen, zwischen Spannung und (Er)Lösung. Das Spiel mit dem Gleichgewicht wird in spielerischer Erfahrung zum Lebenstraining: Die Vielfalt der wirksamen Kräfte im Herzen und in der Biographie in die Balance führen, zum Ausgleich, zur Mitte.

Am Schluss entsteht dann jeweils auf der Bühne das Gefühl, etwas geschafft zu haben: Das eine Mal ist mir gelungen, was 100-mal daneben ging, und der Applaus gibt mir das Gefühl, dass es gut war - dass es gut wird, mit mir!

Olga

Wenn einmal im Jahr der Clown Pierino in die Burghalde kommt, bringt er zu unserer großen Freude auch immer seine Frau Olga mit. Und Olga übt sehr intensiv mit den älteren Schülern das Steppen. 

Was für sie als Tanzprofi einfach ist, sieht für uns als Laien erstmal ganz anders aus. Während Olgas Füße über das Parkett wirbeln, gehen bei uns allen - Schülern wie Erwachsenen, Gedanken wie <<wow, das ist doch viel zu schnell>> oder <<das schaffe ich doch nie>> durch die Köpfe. Es stimmt schon, eine gewisse Fußfertigkeit wäre hilfreich, aber selbst wenn sie nicht da ist, lockt Olga bei jedem ungeahnte Fähigkeiten hervor, denn die Füße bewegen kann doch jeder. Olga kennt uns mittlerweile schon ganz gut und so werden die Übungen in der ersten Woche ganz langsam angegangen, dass jeder mitmachen und die Grundschritte einüben kann. Im Laufe der Woche erhöht Olga <<unmerklich>> die Geschwindigkeit... überlegt sich, welche Musik wir auf der Bühne präsentieren könnten... und setzt dann aus den Grundschritten eine ganze Choreographie zusammen. So haben wir Anfang der zweiten Woche das Stück schon fast beisammen, müssen nur noch die Schritte in die richtige Reihenfolge bringen. Aber das ist auch kein Problem mehr.

Und dann ist auch schon Generalprobe, da die Aufführung bevorsteht und die Zeit mit Olga und Pierino fast um ist. Ein bisschen Lampenfieber und jede Menge Zuschauer sind die Zutaten, die es für die Aufführung braucht. Während wir mit Freude sehen, was die anderen Klassen erübt haben, können wir es kaum erwarten, endlich selbst auf der Bühne zu stehen... und ganz schnell ist es vorbei und der Beifall braust. Eigentlich schade, aber wir können sicher sein: im nächsten Jahr gibt es wieder Steppen mit Olga.

Pierino & Olga waren im Mai 2014 für 2 Wochen bei uns zu Besuch und erarbeiteten mit allen Schülern der Burghalde eine wunderschöne Zirkusaufführung. Sehen Sie sich doch einmal dieses Video an, dann können Sie erahnen in welch traumhafte Stimmung die beiden uns jedes Jahr auf’ s Neue versetzen.